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In unserer (Corona-)Blase…

Mein kleines, großes Mädchen,

ich weiß, dass wir normalerweise in einer kleinen Blase zusammen leben – in unserer eigenen Welt der Kindergartenbesuche, des Ballettunterrichts, Playdates, Spaziergänge am See, Restaurantbesuche, Coffee-Dates, Shoppingtage und Reisen. Wir sind es aber auch gewohnt, die Zeit zu Hause zu verlangsamen.

In unseren arbeitsreichen Wochen sind Tage geplant, an denen wir alle drei einfach zu Hause bleiben und es ruhig angehen lassen.

Diese Blase jetzt ist anders als sonst. Aber das findest du nicht schlimm. Denn hier in unserer Blase fühlt es sich für dich vertraut an. Es fühlt sich angenehm an. Es fühlt sich sicher an. In unserer Blase haben wir genug. Genug Essen, genug Bastelsachen, genug Spielzeug. Ein warmes Bett mit vielen Kissen und noch mehr Stofftieren, die dir Gesellschaft leisten. Genügend flauschige Decken zum Kuscheln an unseren Filmabenden. In unserer Blase sind wir gesund.

In unserer Blase lernen wir. Wir lesen Bücher über Tiere und Länder dieser Erde. Wir zeichnen, malen, basteln. In unserer Blase haben wir Spaß. Wir veranstalten Tanzpartys, Kino- und Spielabende. Wir lachen mit dir.

In unserer Blase fahren wir eine emotionale Achterbahn. Es steht uns frei, die unterschiedlichen Emotionen auszuleben, die wir Tag für Tag haben.

In unserer Blase sind wir zusammen. Wir haben das Glück, zusammen sein zu dürfen. Und das schätzen wir. Wir haben das, was wir brauchen, was am wichtigsten ist. Wir haben einander.

Und da gibt es die anderen Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, die nicht bei ihren Kindern Zuhause sein können. Die, die in Krankenhäusern arbeiten, Pakete ausliefern, unsere Lebensmittelregale auffüllen… Die jeden Tag mit dem Wissen zur Arbeit gehen, sie könnten sich anstecken.

Wir sind jetzt in unserer Blase. Und wir können nicht für immer hier bleiben. Ich will es sowieso nicht. Weil die Welt wartet. Und wenn unsere Blase platzt, wird sie noch schöner sein, das weiß ich. Und noch mitfühlender. Und noch widerstandsfähiger. Aber jetzt, während wir hier sind, werde ich mein Bestes geben, um mich ENDLICH ein wenig zu entspannen. Um ein bisschen freier zu tanzen, während wir unsere Lieblingslieder spielen. Um deine Bücher noch enthusiastischer als gewöhnlich zu lesen. Mit dir backen, wenn du mich darum bittest.

Mein Herz zerspringt für andere, deren Blasen möglicherweise nicht so sicher und gemütlich sind wie unsere. Für die Kranken, die gegen dieses Virus kämpfen. Wir wissen die Sicherheit unserer Blase zu schätzen. Und wir bleiben in unserer Blase so lange es nötig ist, denn im Moment können wir so am besten helfen.

Das Leben nicht nur zaghaft kosten, sondern hingebungsvoll genießen. Spüren, wie gut sich die sanfte Brise im Haar anfühlt – und dann barfuß in die Fluten laufen und mit jeder Faser eintauchen. So ist mein Leben. Und so ist mein Blog.