El Gaucho im Landhaus, Graz

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Ein Restaurant für Steakliebhaber

Mein Schwager erzählte neulich von einem Interview mit der Herausgeberin  von Gault-Millau, Martina Hohenlohe, das er gehört hat, wo es um das Bewertungssystem des Restaurantführers ging. Recht kompliziert das Ganze. Ein Restaurant wird angeblich von 8 Personen getestet und erst wenn sich alle einig sind, dass das Restaurant es wert ist in den Restaurantführer aufgenommen zu werden, wird es bewertet und kommt in die neueste Ausgabe des Gault-Millaus. Zumindest hab ich das so verstanden. Maximal 20 Punkte kann ein Restaurant erreichen. Österreich liegt ganz gut im Ranking…2016 wurden 706 Hauben an 582 Restaurants vergeben. Da bleibt einem die Spucke weg. Ganz vorn sind nach wie vor Restaurants wie das Steirereck in Wien und Oberauer in Werfen.

Wenn ich mir das so überlege, muss ich ein wenig über mich schmunzeln. Ich bewerte ja sozusagen auch Restaurants und Lokale, habe aber sicherlich ganz andere Maßstäbe als die Eheleut Hohenlohe. 😀

Und daher möchte ich, bevor ich über das oben genannte el Gaucho berichte, meine ganz persönlichen Bewertungskriterien darlegen. Die Lokale, über die ich schreibe und die ich empfehle, müssen keine Haubenlokale sein. Bei weitem nicht. Oft sind die Speisen bzw. deren Qualität sogar an zweiter Stelle. Das Lokal, das ich bewusst betrete, um darüber zu schreiben, muss auf irgendeine Art und Weise meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Egal, ob das nun die an einer Leine hängende Unterwäsche wie bei Mau Shi, oder ein außergewöhnlicher Name des Lokals (wie z. B. Die Schneiderei ),  oder die Location des Lokals selbst ist. Wenn dieses gewisse Etwas vorhanden ist, dann überlege ich mir, ob und wann ich dieses Lokal näher in Augenschein nehme und etwas von der Karte probiere. Sobald ich das Lokal betrete, werden das  Auftreten des Personals, die Präsentation der Toiletten sowie die Qualität des Gebäcks, falls eines serviert wird, „begutachtet“. Zum Schluss werden die Gestaltung der Karte, die Auswahl der Speisen und die Speisen selbst bewertet. Ich sitze nicht da mit Papier und Stift und vergebe Punkte, damit das klar ist. Ich schaue mir einfach das Gesamtpaket an. Wenn das Essen „nur“ ein „war ok“ bekommt, dann kann es schon mal vorkommen, dass ich das Lokal trotzdem hoch lobe, weil alles andere super gepasst hat, oder/und weil mich der Besuch des Lokals in einen entspannten, zufriedenen Zustand gebracht hat. Aber keine Angst, oft versetzen mich gerade die Speisen in so einen Zustand. Nur zur Info.

Da kommt er wieder durch, mein Hang zum Ausholen…bitte verzeiht. Hier meine ganz persönliche und subjektive Bewertung/Empfehlung des el Gaucho.

Dieses Steakhouse, von der Familie Grossauer geführt, peile ich schon mindestens zwei Jahre an. Wenn nicht drei. Irgendwie hat es nie wirklich gepasst. (Es gibt drei weitere „el Gaucho’s“: Wien, Baden, München – alle im Besitz des Grossauer-Clans). Die Flexitarierin in mir gab gewissen anderen Restaurants dann doch den Vorzug. Schließlich hab ich es ja doch geschafft…besser später als nie.

Meine liebe Schwägerin und bekennende Fleischliebhaberin, man kennt sie schon aus diversen anderen Blogeinträgen (meine vegane Küche brachte ihr immer nur Magenbeschwerden ein :-D),  kam vor kurzem nach Graz und das war Anlass genug sie mal dorthin auszuführen. Mit dem schönen Nebeneffekt endlich selbst hingehen zu können. Wir waren relativ früh dran, 18.30, drum war das Restaurant noch angenehm gefüllt. Man geht durch die Bar, der Raucherzone, in das eigentliche Restaurant durch. Zum Tisch geleitet wird man vom zuständigen Kellner, der einem dann auch den ganzen Abend zur Seite steht. Wir hatten einen ganz netten, der mir all meine Fragen – und ich hab in der Regel viele – beantwortet hat. Auch zu seinem Privatleben. Ein sehr freundliches Kerlchen, aus Salzburg. Der der Liebe wegen nach Graz gekommen ist. Blöd, dass die Beziehung nicht gehalten hat. Ich war dann doch beruhigt, als er beim Wein einschenken zugegeben hat, mittlerweile  neu verliebt zu sein. Obwohl ich auch ein wenig enttäuscht war, ich hätte da nämlich selbst eine passende Partnerin gewusst und dachte mir schon aus, wie ich die beiden verkuppeln könnte.

Ich bin keine gute Fleischkennerin. Auch keine gute Fleischzubereiterin. Dafür ist meistens mein Mann zuständig…zumindest dann, wenn etwas am Spiel steht und Haufen Leute zum Essen kommen (z. B. die Familie ;-)). Deshalb begeisterte mich die Präsentation des Fleisches, die wir nach der Bestellung unserer Getränke bekommen haben, umso mehr. Die in meinen Augen sehr gut geschulte Fleischkennerin kam mit einem schwer aussehenden Bauchladen prall gefüllt mit bestem Rindfleisch zu uns und erklärte uns die ganzen Stückln. Was ist ein Rib-Eye Steak, was ist ein Rumpsteak, was ist ein T-Bone Steak, was ist ein Filetsteak, was ein Hüftsteak usw. Zusätzlich gab sie Gar-Empfehlungen ab. Für mich war das höchst interessant, da ich zum ersten Mal die wichtigsten Stücke auf einen Blick gesehen und die Namen dazu gehört habe. Was mit dem Fleisch aus diesem gekühlten Bauchladen am Ende des Abends passiert, wollte ich gar nicht wissen –  obwohl mir die Frage auf der Zunge lag – und so blendete ich die Frage auch ganz schnell aus. (Ich hasse nämlich nichts mehr, als wenn Lebensmittel vergeudet, sprich weggeworfen, werden. Aber dies ist eine andere Geschichte). Nach kurzer Beratung bestellen wir:  meine liebste Schwägerin ein Ladysteak á 150 g, mein Göttergatte ein Rumpsteak á 200 g (österreichisches Fleisch, da er nix mehr hasst, als importiertes Fleisch – egal wie gut es auch sein mag – wo es doch bei uns so gutes Rindsfleisch z‘Haus gibt) und ich den  100 % Gaucho Beef Burger. Langweilig, ich weiß. Aber in Anbetracht meiner Umstände fand ich das als beste Wahl. Als Beilage gab es Kartoffeln, Gemüse und Saucen.

Allmählich füllte sich das Restaurant und wurde etwas lauter. Aber das brachte uns nicht davon ab, das Essen zu genießen und  den doch recht attraktiven Köchen beim Kochen zuzusehen. Von unserem Plätzchen aus konnte man das nämlich ganz gut. Bewundernswert mit welcher Ruhe und Präzision diese gearbeitet haben.

Mit der Fleischladung und den Beilagen waren wir einfach zu voll für eine Nachspeise. Abgesehen davon sprach mich persönlich nichts wirklich an. Die anderen zwei offenbar auch nicht. Da war die Lust auf ein Greissler-Eis dann doch zu groß – leider hatte der um diese Zeit auch schon zu.  Beim Bezahlen wurden uns noch Pralinen überreicht. Am Abend wird nämlich Gedeck von € 3,50 verrechnet (für die Gaucho Spezialitäten, den Brotkorb und eine süße Überraschung am Schluss). Völlig ok der Preis, find ich.

Alles in allem ein schmackhafter Ausflug in die Steakwelt. Personal top. Location auch. Wenn auch die Anordnung der Tische etwas zu eng ausfällt. Die Speisen schmecken gut und der Preis ist angemessen. Das Gebäck sehr frisch und kross, die Toiletten sehr sauber und gut riechend. Wenn man Fleisch liebt, gut geschultes Personal schätzt, auf ein modernes Ambiente Wert legt und noch dazu auf attraktive Köche bzw. attraktiven Koch steht, ist man mit el Gaucho  an der richtigen Adresse. Man wird nicht enttäuscht.

Landhausgasse 1
8010 Graz
E-Mail: steak@elgaucho.at
Tel: +43316830083

Evelin

Evelin

Meistens bin ich eine Optimistin und Individualistin, die manchmal manche Dinge viel zu ernst nimmt. Ich rede gern, und das oft ohne Punkt und Komma. Ich lese, koche und esse gerne. Fernsehen tu ich selten, dafür spielt sich zu viel Kino in meinem Kopf ab. Ich liebe Zitate und reise mit viel Quecksilber im Blut wandernd oder Zug fahrend durch die Welt.

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